Biographie

1970 in Pforzheim (Baden-Württemberg) geboren.
1990 Abitur am Theodor-Heuss-Gymnasium, Pforzheim.
1991-1995 Studium der Malerei und Bildhauerei in Wien.
1995-1997 Studium der Kunstgeschichte an der Universität Wien.
1997-1999 Heirat und Geburt von zwei Töchtern, Wien
2007 Umzug nach USA, Bedford New Hampshire.
2008 Eröffnung des Ateliers im Süden Münchens.

Credo

“Mein Anliegen ist es, den in jedem Menschen schlummernden Künstler zu wecken, auf dass er zu einem Dialog zwischen sich und der in ihm liegenden schöpferischen Kraft, angeregt wird.”

Jenseits des Horizonts

Bemerkungen zu den ungegenständlichen Gemälden von Angela Sommerhoff
Kunsthistorikerin Mag. Alexandra Matzner. B.A.

Zwischen Zufall und Notwendigkeit lässt sich die aktuelle Malerei von Angela Sommerhoff einordnen. Ihre rezenten, meist quadratischen Gemälde schillern in pastelligen Tönen. Die Farben changieren, fließen fein in Schichten über die Oberflächen, machen Platz für Weiß, viele Tuscheflecke sind körperlos, einige Linien kreuzen. Ausgewählte Gemälde weisen Spuren eines chemischen Prozesses auf, und manchmal gestaltet die Künstlerin auch mit pastosen Farben oder arbeitet mit Strukturen. Der Leichtigkeit der leuchtenden Tusche, die sich wie farbige Schleier über den hellen Grund legt, setzt sie körperliches Material (Quarzsand, japanisches Reispapier) entgegen. Scheinbar körperlose aber verschieden temperierte Farben ohne Duktus im Kontrast zu pastosen bzw. strukturierten Elementen lässt erstere wie buntes Licht erscheinen. Das Weiß, so die Künstlerin, bietet hingegen eine Art Freiraum, einen Resonanzkörper, in dem die Schwingungen der Buntfarben sich ausbreiten könnten. Das Weiß steht landläufig für Makellosigkeit, Vollendung und Schönheit, letzteres lässt sich auch auf die reinen Farben in Sommerhoffs Gemälden beziehen. Der Zufall führt oft bei der Entstehung Regie, indem er das Fließverhalten der Tusche auf komplexe Weise organisiert, während das Auge der Künstlerin auf das Entstandene reagiert und kompositionelle Notwendigkeiten erkennt.

Die Fragestellung, auf die sich viele Projekte der Künstlerin Angela Sommerhoff mehr oder weniger direkt beziehen, ist die nach dem Sein in der Zeit. Die Präsenz des Menschen, von Pflanzen, also zusammenfassend vom Kreatürlichen, im Raum war Angela Sommerhoff bis etwa 2010/11 nachweislich wichtig. In den frühen Arbeiten hat die in Wien ausgebildete Künstlerin vor allem Blumen und Blüten, Landschaften mit fragilen Staffagefiguren als Ausgangspunkte ihrer Recherchen zu Illusionismus, und der Unmöglichkeit das Leben an sich auf Leinwand zu fixieren, benutzt. Ihre Figuren blieben dabei immer schemenhaft und eigentümlich unbestimmt. Zu diesem Eindruck trägt die Auflösung der Konturen bei, was zu einem schrittweisen Aufweichen der Formen und einer Entwicklung in Richtung Farbmassen führte. Da Angela Sommerhoff ihre Kunst als Teil ihres Erfahrungsbereichs definiert, lassen sich an ihrem Œuvre jene Landschaften und Einsichten erkennen, die sie in den letzten Jahren beschäftigten, ob das Harmonien und Dissonanzen aus der Harmonielehre sind, die Skylines amerikanischer Großstädte, die Farbenpracht Afrikas oder das kabbalistische Konzept des Tikkun olam zur Rettung der Welt. Die Überzeugung, dass alles miteinander verbunden ist, ließ Sommerhoff seit Beginn der 2010er Jahre immer mehr ihrem Farb- und Formgefühl folgen.

Genauso zentral wie der Dialog der Malerin mit ihren Malmitteln und ihr Umgang mit Farbtönen ist die enge Verbindung von Ordnung und Unordnung, die Sommerhoffs Gemälde aufweist. In früheren Jahren arbeitete die Künstlerin häufig mit Symmetrien, vulgo spiegelgleichen Entsprechungen, während in den letzten Arbeiten Balance trotz Asymmetrie aufgebaut ist. Farbe mit all ihren Qualitäten steht immer stärker im Zentrum von Angela Sommerhoffs künstlerischem Denken. Sie wurde zu einem wesentlichen Punkt ihrer Malerei. Dennoch geht es ihr nicht nur um Versuche mit Farbwirkungen und Flächenteilungen, die sich vor allem in der ausbalancierten Spannung zwischen Farbmassen und strukturierendem Weiß nachweisen lassen, sondern um eine Offenheit zum Unfass- und Unbeschreibbaren, das sich in Sommerhoffs Kompositionen spiegelt.

Befragt nach den Ausgangspunkten ihrer Malerei antwortet Angela Sommerhoff mit dem Hinweis auf Nelly Sachs: „Alles beginnt mit der Sehnsucht“. Sehnsucht ist jenes Gefühl, das August Wilhelm Schlegel als, sich zwischen Erinnerung und Ahnung wiegend[1], beschrieben hat. Es ist ein Zustand, der genauso verträumte Momente zur Folge haben wie er Ausgangspunkt einer Aktivität werden kann. Nun ist es diese Sehnsucht, hervorgerufen durch Sommerhoffs Interesse an „Metamorphosen“, die „Prozesshaftigkeit des Lebens“ und immer wieder Gedichte, Gespräche und Musik, die Anlass zur Malerei gibt. Damit positioniert sich die Künstlerin zwischen einer naiven Lust am Malen und raffiniertem Kalkül. Einerseits entstehen die Werke, angeregt von Begegnungen mit Menschen, Musik und Dichtkunst, ad hoc auf den Leinwänden, und andererseits arbeitet sich die Malerin gerne in Form von Zyklen an verschiedenen Themen ab.

„Wie kann man mehr von der Qualität erfassen“, ist eine der zentralen Fragen, die Sommerhoff mit ihren Werken stellt. Der Komplexität der Welt und der Schnelllebigkeit der Zeit setzt sie jüngst ungegenständliche Bilder entgegen. Sie versetzt sich – mit Hilfe von Bach, Mozart und Beethoven – und die Betrachter ihrer Werke in einen Zustand, der Abstand nehmen will vom Alltag. In ihren Kunstwerken überträgt sie Erfahrungen aus dem Klangraum. Sich selbst spüren und die eigene Wahrnehmung zu reflektieren, könnte man als die Ziele ihrer Kunst benennen. Dass dafür nicht nur ein anfänglicher Eindruck reicht, mag auf der Hand liegen. Die Begegnung mit Angela Sommerhoffs Kunst erfordert Geduld und Gelassenheit, einen Betrachter, der dem Bild seine Geschichte erst gibt.

[1] August Wilhelm Schlegel, Vorlesungen über dramatische Kunst und Literatur, in: Edgar Lohner (Hg.), Kritische Schriften und Briefe V., Stuttgart 1966, S. 25.


Kurzbiographie von Mag. Alexandra Matzner. B.A.

Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Kuratorin und Chefredakteurin von Artinwords.de Alexandra Matzner kuratierte für das Leopold Museum die Ausstellung Arik Brauer – Gesamt.Kunst.Werk (2014) und für das Liechtenstein Museum Möbel in allen Lebenslagen (2007). Zahlreiche Publikationen und Katalogbeiträge zu Fotografie und bildender Kunst vom 19. bis zum 21. Jahrhundert. Chefredakteurin von ARTinWORDS.de Lebt und arbeitet als freie Autorin in Wien.

Herausgeberschaften und Publikationen: raum_körper einsatz. Positionen der Skulptur (MUSA 2010); Space Affairs (MUSA 2012); Farbholzschnitt in Wien (Leopold Museum 2012); „Frauen ohne Eigenschaften? Zu Xenia Hausners Rollenspielen und der unerschöpflichen Rätselhaftigkeit ihrer Bildfindungen“ (Essl Museum 2012).; „Vanity. Fashion Photography from the F.C. Gundlach Collection“ (Nationalmuseum Krakau 2013); Arik Brauer (2014); Sammlungskatalog für die Schatzkammer des Deutschen Ordens in Wien (2015); „Fürstenglanz. Die Macht der Pracht“ (Belvedere 2016); „Weit weg im Westen war die Landlinie tiefblau. Zu Max Kurzweils Druckgrafiken“, in: Agnes Husslein-Arco, Markus Fellinger (Hg.), Max Kurzweil. Licht und Schatten (Ausst.-Kat. Belvedere 2016), Wien 2016, S. 51–61.; „Haben Sie Wiener Kunst im Hause?“ in: Max Hollein, Klaus Albrecht Schröder, Tobias Natter, Kunst für Alle (Ausst.-Kat. Schirn, Frankfurt; Albertina 2016/17)

Ausstellungen

2004 Einzelausstellung in Dornach, Schweiz
2005 Einzelausstellung Shinergy(zone), Wien
2008 Gemeinschaftsausstellung „Travelling“ in der ART 3 Gallery in Manchester NH,U.S.A.
2009 Einzelausstellung in der Galerie Kunst 161. Hamburg
2010 Einzelausstellung im Kulturzentrum Holzkirchen
2010 Gemeinschaftsausstellung Variationen [6] in der Sparkasse Senftenberg
2010 Charity Einzelausstellung im Logenhaus, Hamburg
2012 Einzelausstellung im Kulturzentrum Forum 3 in Stuttgart
2012 Einzelausstellung in der Galerie Lichthof in Hamburg
2013 Umzug und Eröffnung des Ateliers in Bad Tölz
2014 Einzelausstellung im Goßler Haus in Hamburg
2016 Einzelausstellung im Stilwerk in Hamburg
2016 Einzelausstellung im Kunstraum Bösmüller in Wien
2017 Gemeinschaftsausstellung in der Fabrik der Künste in Hamburg
2017 Einzelausstellung Stadtmuseum Bad Tölz
2017 Gemeinschaftsausstellung in der Galerie d’Orsay in Boston
2017 Gemeinschaftsausstellung Kloster Benediktbeuern